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Stühle aus dem Musikzimmer Fanny Hensels geb. Mendelssohn.
Exkurs 2 (im Aufbau): "Gegenwelt Leipziger Straße No.3" und das "Projekt Fanny Hensel"

Das Ausstellungsbanner zur Gegenwelt der Familien Mendelssohn Bartholdy und Hensel in der Leipziger Straße No. 3, dem Ort der berühmten "Sonntagsmusiken", markiert den Plan, die Erzählung "Mendelssohns in der Jägerstraße" an dieser Stelle zu erweitern. Die Mendelssohn-Gesellschaft reagiert damit auf Anfragen von Ausstellungsbesuchern, die in der Mendelssohn-Remise eine Würdigung der Komponisten-Geschwister vermissen. Zwei barocke Stühle, die in der Leipziger Straße 3 zum Mobiliar gehörten, symbolisieren die Wohnwelt der großbürgerlichen Familie; sie imaginieren "Thronsitze" der berühmten Kinder. Felix Mendelssohn Bartholdys Verewigung durch den Bildhauer Ernst Rietschel (Gipsabguss) zeigt die Anerkennung des schon zu Lebzeiten europaweit bekannten Komponisten. Die Abwesenheit einer Büste der Schwester verweist auf deren Rollenkonflikte im Schatten patriarchalischer Einschränkungen. Die Mendelssohn-Gesellschaft regt einen Wettbewerb an, um Fanny Hensels Bild zu ergänzen: durch eine Büste oder eine andere zeitgenössische Darstellung, als Antwort auf Leerstellen der Vergangenheit. Weitere Einzelheiten in Gegenwelt Leipziger Straße No.3 und das Projekt Fanny Hensel.

Weitere Gegenwelten ...
Der Exkurs "Gegenwelt Leipziger Straße No. 3" berührt ein Thema der Ausstellung, das dort mit dem Banner "Gegenwelten" angesprochen wird: Nicht nur Abraham Mendelssohn Bartholdy, auch die Bankiers Joseph Mendelssohn und sein Sohn Alexander, sowie Abrahams Enkel Ernst (von) Mendelssohn-Bartholdy und dessen Sohn Paul suchten als Pendant zum Wohnen und Arbeiten in der Jägerstraße erholsame und repräsentative Landhäuser am Rande der Stadt, außerhalb und gelegentlich in entfernteren Regionen.

... in Börnicke
Ernst (von) Mendelssohn Bartholdy erwarb im Zusammenhang mit seiner Nobilitierung 1892 das Rittergut Börnicke bei Bernau und baute seinem Sohn zur Hochzeit ein weiteres Schlösschen in der Nähe. Dieser wiederum ließ Börnicke nach dem Tod des Vaters umbauen: durch den aufstrebenden Architekten Bruno Paul, der während des Ersten Weltkriegs für Paul von Mendelssohn-Bartholdy zugleich in der Alsenstraße gegenüber dem Reichstag
ein dreiflügeliges Stadtpalais errichtete.

... im Rheinland
Joseph Mendelssohn, der Bankgründer, hatte sich bereits 1817, unterstützt durch seinen aus dem preußischen Heer ausgeschiedenen Sohn Benjamin, für ein Weingut mit verfallenden Gebäuden in Horchheim bei Koblenz interessiert. In den folgenden Jahren erwarben die Mendelssohns das Anwesen und bauten es mit Hilfe des Architekten Johann Claudius von Lassaulx zu einem respektablen Sommersitz und beliebten Familientreffpunkt aus. Das soziale Engagement der reichen Berliner für den Arme-Leute-Ort konkretisierte sich sowohl in der Unterstützung einzelner Pächter und ihrer Familien als auch in der Förderung des Schulbaus und der Ansiedlung einer katholischen Schwesterngemeinschaft, die eine Sozialstation mit Hospital begründete. Auch nach dem Rückzug der Mendelssohns aus dem Dorf am Ende des 19. Jahrhunderts engagierten sich sowohl Franz von Mendelssohn II als auch Ernst von Mendelssohn Bartholdy bis in die 1930er Jahre hinein wohltätig für die Dorfbevölkerung; dies Engagement wird in der Ausstellung dokumentiert durch einen von der Familie - anlässlich eines regional organisierten "Nationalen Sängerfestes" - im Sommer 1933 gestifteten Pokal. Eine ausführliche Darstellung der rheinischen Gegenwelt enthält die Schrift Das Deutsche Eck der Mendelssohns.

... und am Stadtrand von Berlin
Außer dem Sommersitz am Rhein entwickelten die Nachkommen Joseph Mendelssohns für ihre Familien noch weitere Refugien: am Stadtrand von Berlin. In Charlottenburg erwarb Alexander Mendelssohn das Landhaus "Villa Sorgenfrei", auf dessen Terrain seine Nachkommen die heute noch bestehende Villa Oppenheim errichteten. Ihre Hauptwohnsitze verlagerten schließlich die Bankiers der 5. Generation, Robert und Franz von Mendelssohn II, nach dem Tod ihres Vaters Franz von Mendelssohn I (1888) in das neuentwickelte Millionärsviertel Grunewald; die Häuser in der Jägerstraße dienten zuletzt vor allem dem Geschäftsbetrieb.