Berliner Familientreffen der Nachkommen Moses Mendelssohns im Jahr 2007

Am Rande einer Ausstellungseröffnung des Jahres 2006 in der Berlinischen Galerie sprachen der Chef der Berliner Senatskanzlei, André Schmitz, Vertreter der Stiftung Preußische Seehandlung und des Geschichtsforums Jägerstraße e.V. über das Projekt einer Restaurierung der Mendelssohn-Gräber auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee. Bei dieser Gelegenheit fragte André Schmitz, ob die Wiederherstellung dieser Gräber nicht ein Anlass sein könne, die weltweit verstreuten Nachkommen Moses Mendelssohns nach Berlin einzuladen. Die Senatskulturverwaltung begann in Kooperation mit dem Geschichtsforum Jägerstraße, unterstützt auch durch die Mendelssohn-Gesellschaft, Einladungslisten zusammenzustellen.

Man rechnete bei ca. 350 Einladungen mit fünfzig bis hundert positiven Rückmeldungen. Tatsächlich meldeten sich bis zum Sommer 2007 ca. 250 Personen aus Deutschland, der Schweiz, Italien, Schweden, Costa Rica, Frankreich, England und den USA in Berlin an. Reise und Unterkunft mussten die Teilnehmer selbst tragen, das Programm vor Ort entwickelte die Senatskulturverwaltung mit dem Geschichtsforum Jägerstraße, großteils finanziert durch Sponsoren.

Am Freitag, dem 12. Oktober 2007, fanden sich die Eingeladenen zu einem Empfang im Roten Rathaus zusammen. Erstmals seit 1799, als die geschiedene Dorothea Veit geb. Mendelssohn Berlin nach dem Bruch mit ihrer Familie für immer verließ, trafen alle Familienzweige in Berlin zusammen. Gespielt wurde an diesem Abend, der für die meisten eine erste Begegnung mit zahlreichen unbekannten Verwandten bedeutete, Kammermusik von den drei professionellen Komponisten der Familie, Fanny Hensel, Felix Mendelssohn Bartholdy und Arnold Mendelssohn.

Am Samstag versammelten sich die Gäste in der Mendelssohn-Remise im ehemaligen Stammhaus der Mendelssohn-Bank in der Jägerstraße am Gendarmenmarkt. Über ein Drittel von ihnen unterzeichnete einen Aufruf zur Gründung einer Stiftung Mendelssohn Forum Berlin, durch die eine Erhaltung der Mendelssohn-Remise als öffentlicher Erinnerungsort gesichert werden sollte. Nach der szenischen Uraufführung eines Singspielfragments, mit dem der 12jährige Felix Mendelssohn seinerzeit den Büroalltag seines Vaters, seines Onkels und deren Angestellten im Bankhaus Mendelssohn komisch dokumentiert hatte, fand sich die Besucherschar zum großen Gruppenfoto auf der Freitreppe des Schauspielhauses am Gendarmenmarkt zusammen. Der Samstagabend war einem gemeinsamen Besuch der "Dreigroschenoper" im Berliner Ensemble gewidmet, eines jener Theater, an denen die beiden Bankierskinder der sechsten Generation, der Regisseur Francesco von Mendelssohn und die Schauspielerin Eleonora von Mendelssohn, beschäftigt gewesen waren.

Am Sonntagvormittag führte eine Stadtrundfahrt mit mehreren von der BVG zur Verfügung gestellten Bussen die Berlin-Besucher zu historischen "Mendelssohn-Orten" in der ganzen Stadt. Auf dem Friedhof Schönhauser Allee wurden die restaurierten Gräber des Bankgründers Joseph Mendelssohn, seiner Frau Henriette, seines Sohnes Alexanders und dessen Ehefrau Marianne geehrt, begleitet von den Gebeten des Rabbiners Andreas Nachama. Beim Ausklang und Abschiednehmen im Centrum Judaicum an der Oranienburger Straße zeigte sich, dass Kontakte und Verbindungen untereinander sowie mit Geschichtsforum und Mendelssohn-Gesellschaft entstanden waren, die sich seitdem weiterentwickelt haben. Eine ausführliche Darstellung des Familientreffens enthält eine von der Berliner Senatskanzlei herausgegebene Dokumentation, vgl. Treffen der Mendelssohns 2007 in Berlin.

In der Folge haben viele Familienmitglieder ihre Überlieferungen Historikern der beteiligten Vereine, aber auch Leihgaben der Familiengeschichte der Remisen-Ausstellung anvertraut, woraus in manchen Fällen die Realisierung eines (von mehreren Institutionen finanzierten) Ankaufs von Objekten oder Dokumenten vorgenommen werden konnte. In der Öffentlichkeit ist das Thema "Familie Mendelssohn" in der Folge aufmerksamer wahrgenommen worden. Zwei Jahre nach dem Familientreffen haben Geschichtsforum Jägerstraße und Mendelssohn-Gesellschaft unter deren Namen fusioniert.